Montag, 22. April 2024

Unsaraworschdlaschmecknfeiimma

 Unsaraworschdlaschmecknfeiimma

Als ich in Bayern unterwegs war und durch schöne Städte im Frankenland kam, erinnerte ich mich plötzlich an die Rostbrenner in Thüringen und an ihre leckere Wurst.

Denn kurz vor Wunsiedel lachte mich ein Schwein an.  Es lachte von einem Riesenplakat der Fleischindustrie herunter und machte Werbung für das hier vermarktete Strohschwein. 

Carolin hatte  mir ihre Warnung mitgegeben:  „Wenn du in Franken bist, musst du Schweinefleisch essen: Schäufele und Bratwurst.“

In Bayreuth schließlich kam ich nach meinem Besuch des Markgräflichen Opernhauses (Weltkulturerbe)zu meinem frankentouristischen Hochgenuss.

Da gab es die heißgeliebte Bratwurst an einem Wagen in der Innenstadt mit der verlockenden echt fränkischen Ansage: “Unsaraworschdlaschmecknfeiimma”.

Und im traditionellen Wirtshaus “Oskar” konnte ich bei fehlender Tischreservierung immerhin einen Platz am Biertresen einnehmen und mein Tellergericht mit “Schäufele“ genießen. Dazu wie einst Jean Paul „ein Nößel“ Bier vom Fass. Prost!

Der Pulverkopp




Sonntag, 21. April 2024

Audiatur et altera pars

 Kürzlich war ich in Münster im Rathaus, im historischen Friedensaal. Dort wurde 1648 der dreißigjährige Krieg beendet. Durch Verhandlung. 

Oben am Gebälk des Saales ist der entscheidende Grundsatz zu lesen:
„Audiatur et altera pars. Man hoere beide parte.“

Wer ist denn heute die andere Partei, die andere Seite, die ich immer öfter nur in fremden Medien zu hören und zu sehen bekomme? Ihre Ansichten, Argumente - ja, auch Verdrehungen:
Russische und ukrainische Deserteure und Kriegsgeschädigte, die Verhandlungsführer von jeder Seite, auch Hamas und Taliban.

Draußen am Rathaus von Münster haben Ostermarschierer ihre Mahnzeichen zurückgelassen: Brennende Kerzen und ein paar Rufe nach Friedenslösungen.

„Audiatur et altera pars!“
Der Pulverkopp




 






Freitag, 22. März 2024

Lichtkunst und Bier

Nach meinem Spaziergang durch Regensburg, über die Steinbrücke und zum alten Rathaus, kehrte ich am frühen Abend im örtlichen Hofbräuhaus ein. Ein frisches Bier und ein Teller mit Ochsenfleisch und Meerrettich taten gut. 

Als ich in der Dunkelheit zurück zum Hotel bummelte, konnte ich einige der Lichtkunstwerke bewundern, die im Rahmen des International Light Art Festivals die Altstadt an 13 Standorten illuminierten.

Die Minoritenkirche erfuhr bei sanften Musikklängen verschiedene Verhüllungen in buntem Licht. Unter anderem: Es wuchsen pilzähnliche Gebilde, es quoll eine Art von Teigmasse, und die Außenmauern wurden spektakulär begrünt.

In einer kleinen Gasse überraschte ein feststehendes Bild: Inmitten eines großen Herzens steht ein Pärchen, und über deren Köpfe fallen Bomben herab. Erinnerung an die Bombardierung deutscher Städte im Zweiten Weltkrieg; Assoziationen zu den derzeitigen kriegsverbrecherischen Luftangriffen auf Städte in der Ukraine und in Palästina (Gaza).

Der Pulverkopp

Audio 


Donnerstag, 21. März 2024

Der junge Zugvogel Frühling

 In Bayreuth habe ich mich mit meinem Rucksack auf einen 10-Kilometermarsch begeben. Ich wanderte auf einem gut beschriebenen Weg durch die Wilhelminenaue. Das war ein Stück auf dem Jean-Paul-Wanderweg. Den letzten Teil ging es mit dem Bus zur Eremitage, zu jener schönen, kleinen barocken Schlossanlage mit Wasserspiel und Café, die schon der Dichter Jean Paul mehrfach mit Lust besuchte. 

Eine Passantin empfahl mir, im Café die Windbeutel mit Schlagsahne zu probieren, wobei sie mit weit ausgestreckten Armen lachend andeutete, welche Ausmaße ihre windbeutelverliebte Nachbarin angenommen habe.
Ich fand das Café und den Zugang zur markgräflichen Gebäudeanlage leider geschlossen. Öffnung ab April.
Nehmen wir zum Trost eine Beschreibung aus Jean Pauls Roman Siebenkäs:

Eremitage - Zweiter Himmel über Bayreuth

Nachmittags bezogen beide das grünende Lustlager der Eremitage; und die Allee dahin schien ihren frohen Herzen ein durch einen Lustwald gehauener Gang zu sein; auf die Ebene um sie hatte sich der junge Zugvogel, der Frühling, gelagert, und seine abgeladnen Schätze von Blumen lagen über die Wiesen hingeschüttet und schwammen die Bäche hinab, und die Vögel wurden an langen Sonnenstrahlen aufgezogen, und die geflügelte Welt ing taumelnd im ausgegoßnen Wohlgeruch.

Leibgeber nahm sich vor, sein Geheimnis und Herz heute in der Eremitage aufzuschließen - vorher aber einige Flaschen Wein.“

Der Pulverkopp
(Das Foto zeigt die Schaufensterwerbung einer Konditorei in Wunsiedel.)



Zu Hause wird genagelt

 


Zu Hause wird genagelt 

Vor dem Mainzer Dom erinnert ein Kriegerdenkmal an die toten Soldaten des Ersten Weltkriegs. Für jeden gefallenen Soldaten wurde in einen großen Stamm ein Nagel eingeschlagen - in vaterländischer Gesinnung, versteht sich. Das machte man in Deutschland in vielen Orten.

Nachdem kürzlich der polnische Außenminister erklärt hat, im derzeitigen Krieg mit Russland seien schon NATO Soldaten in der Ukraine aktiv und nachdem der französische Präsident die Entsendung von Bodentruppen nicht ausschließt, ist zu fragen, ob es wieder so kommt: An der Ostfront wird gestorben, zu Hause wird vaterländisch genagelt.

In dem bayrischem Regionalmuseum in Wunsiedel ist ein Nagel-Kriegerdenkmal aus dem ersten Weltkrieg ausgestellt. Damals hat man noch währen des Krieges aufgehört zu nageln, weil die Verluste für die Bevölkerung unerträglich wurden.

Der Pulverkopp 


Foto: privat