Dienstag, 26. Mai 2026

Schreibmesser im Naumburger Dom


Auf meiner dreitägigen Fahrradtour an der Saale stand ich endlich im Naumburger Dom (Weltkulturerbe). Während einer guten Führung, die ein amerikanischer Nachwuchswissenschaftler mit sehr guten Deutschkenntnissen machte,  fiel mein Blick auf ein Holzrelief an der Kanzel. (Leider konnte der Führer dazu keine erschöpfende Auskunft geben.)

Das Bild zeigt den Kirchenvater Augustinus beim Schreiben eines Buches. In der linken Hand hält er sein Schreibmesser, das im Mittelalter beim Schreiben auf Pergament für zwei Dinge nützlich war: erstens, man musste damit die Gänsefeder anspitzen, und zweitens, man konnte damit auf Pergament schaben. So wurde im Text korrigiert. Da die Kirche die absolute Lehrautorität hatte, wurde gewiss auch zensiert. Pergament war teuer und man benutzte es, so lange es ging.

In unseren Tagen bekommen wir über die Medien einen großen Wurf von Papst  Leo XIV. zur Lehrmeinung der Kirche über die umstürzende Künstliche Intelligenz vermittelt. („Magnifica Humanitas“ („Großartige Menschheit“).

„Entwaffnung der KI“: Der Papst fordert, KI von einer Logik der „Herrschaft, Ausgrenzung und des Todes“ zu befreien.

Das Gegenteil von einem großen Wurf findet in den USA statt, wo aus Kreisen der Republikaner und der Evangelikalen ganze Bibliotheken, vor allem in Schulen, gesäubert beziehungsweise zensiert werden. Leider brauchen sie keine Schreibmesser mehr zum Wegschaben unliebsamen Gedankenguts, z.B. die Evolutionstheorie von Darwin. 

Freitag, 8. Mai 2026

Etwas für die Augen

 


Heute war ich in der Augenklinik Uni-Bonn.

An der Bonner Uniklinik gibt es das Projekt Kunst und Kultur im Krankenhaus. 
Nach meiner Behandlung bei Professor Holz in der Augenklinik erlebte ich die wahre Bedeutung des Begriffs „Augenweide“. Unmittelbar nach dem Laser-Einsatz konnte ich plötzlich wieder auch Kleingedrucktes lesen.
Mein glücklicher Blick fiel auf eine Reihe von Gemälden vor den Sprechzimmern im Wartebereich. 
Abstrakte Malerei, sehr schön, reich im Spiel von Formen, Kontrasten, Übergängen, Farbkomposition, Hintergrund und Vordergrund, Gestaltung, Gewichtung der Farben, und ihre Abtönung, Anregung zur Assoziation, weiche Farben, grelle Farben, Abstufungen, Leichtigkeit in der Anmutung, Gefühl von Dynamik in den Kompositionen.
Kein Wunder, dass nach Wiederherstellung der Sehfähigkeit meine Gedanken stürmten. Da ist die Physik des Sehens durch Linse und über die Netzhaut und da ist das Wunder der Imagination von Bildern mit Bedeutung und das Spiel von Formen und Farben. 
Die ausgestellten Bilder sind von der Künstlerin Johanna Hess. 
Ich bin dankbar und werde das Sehen mit neuem Bewusstsein genießen.