Dienstag, 12. März 2024

Bellevue - Kriegsszene

 

Eine Kriegsszene im Ersten Weltkrieg. 


Ernst Jünger、Stahlgewitter

“Auf der einsamen Höhe am Wege nach Ransart lag eine Ruine, ein ehemaliges Estaminet, wegen des weiten Ausblicks auf die Front Bellevue genannt, ein Ort, der mich trotz seiner gefährlichen Lage besonders anzog. Die Verlassenheit und das tiefe Schweigen, ab und zu vom dumpfen Ton der Geschütze unterbrochen, verstärkten den traurigen Eindruck der Zerstörung. Zerrissene Tornister, abgebrochene Gewehre, Zeugfetzen, dazwischen in grausigem Kontrast ein Kinderspielzeug, Granatzünder, tiefe Trichter der krepierten Geschosse, Flaschen, Erntegeräte, zerfetzte Bücher, zerschlagenes Hausgerät, Löcher, deren geheimnisvolles Dunkel einen Keller verrät, in dem vielleicht die Gerippe der unglücklichen Hansbewohner von den überaus geschäftigen Rattenschwärmen benagt werden, ein Pfirsichbäumchen, das seiner stützenden Mauer beraubt ist und hilfesuchend seine Arme ausstreckt, in den Ställen die noch an der Kette hängenden Skelette der Haustiere, im verwüsteten Garten Gräber, dazwischen grünend, tief im Unkraut versteckt, Zwiebeln, Wermut, Rhabarber und Narzissen, auf den benachbarten Feldern Getreidediemen, auf deren Dächern schon die Körner wuchern; all das durchzogen von einem halbverschütteten Laufgraben, umgeben vom Geruch des Brandes und der Verwesung. Traurige Gedanken beschleichen den Krieger, dessen Fuß auf den Trümmern einer solchen Stätte ruht, wenn er derer gedenkt, die noch vor kurzem hier friedlich lebten.”

Montag, 4. März 2024

Frankreich mit Bodentruppen auf der Krim

 Angesichts des sich verschärfenden Ukraine-Krieges lohnt es sich, an den Krimkrieg von 1854 – 1856 zu erinnern. Frankreich begab sich unter seinem Kaiser Napoleon III (nicht zu verwechseln mit Napoleon Bonaparte, dessen Armee 1812 in Moskau scheiterte) zusammen mit England und der Türkei auf einen Feldzug gegen das Zarenreich. Die französische Armee eroberte im Jahr 1855 die Hafenstadt Sewastopol auf der Krim.  Es kam zum ersten modernen industriellen Stellungskrieg mit Artilleriebeschuss.  Frankreich hatte ca. 70.000 Tote zu beklagen.
Der russische Dichter Lew Nikolajewitsch Tolstoi hat seine Kriegserlebnisse in der ErzählungSewastopol verarbeitet. Darin berichtet er über das Vordringen der Franzosen:
„(…) noch immer beobachtet ein Unteroffizier vom Steuer vom Telegraphenhügel aus durch ein Fernrohr die bunten Gestalten der Franzosen, ihre Batterien, ihre Zelte, die Truppenmassen, die sich auf der grünen Höhe bewegen, und die in den Laufgräben aufsteigenden Rauchwölkchen, – und immer noch streben von allen Enden der Welt verschiedene Menschenscharen mit derselben Glut und mit noch verschiedenartigeren Wünschen nach dieser schicksalsreichen Stätte. Und immer noch ist die Frage, die die Diplomaten nicht gelöst haben, nicht gelöst durch Pulver und Blut. (…)
Als die Waffen schweigen:
"Alles war tot, öde, schrecklich, aber nicht still, – noch immer wurde das Werk der Zerstörung fortgesetzt. Auf der durch frische Explosionen aufgerissenen und eingestürzten Erde lagen überall zerbogene Lafetten auf russischen und feindlichen Leichen, – schwere gußeiserne, für immer verstummte Kanonen, die durch eine fürchterliche Gewalt in Gruben geworfen und halb mit Erde überschüttet waren, – Bomben, Kanonenkugeln, wiederum Leichen, Gruben, Bruchstücke von Balken aus den Blindagen, und wieder stumme Leichen in grauen und blauen Mänteln. Das alles zitterte noch häufig nach und wurde durch die Purpurflamme der Explosion beleuchtet, die fortgesetzt die Luft erschütterte. (..)
Und diese Menschen sind Christen, die das eine große Gebot der Liebe und Selbstverleugnung bekennen, und fallen beim Anblick dessen, was sie gethan, nicht voll Reue mit einem Schlage auf die Knie vor Dem, der, als er ihnen das Leben gab, in die Seele eines jeden, zugleich mit der Todesfurcht, die Liebe zum Guten und Schönen gelegt hat, und umarmen sich nicht mit Thränen der Freude und des Glücks als Brüder?“
Als die Kämpfe weitergehen, schreibt Tolstoi:
„Die weißen Flaggen sind entfernt, und von neuem pfeifen die Geschosse, Tod und Verderben bringend, von neuem wird unschuldiges Blut vergossen und Stöhnen und Fluchen laut.“ (…)
(zitiert nach Projekt Gutenberg)
Der Pulverkopp


Foto: privat

Montag, 19. Februar 2024

Drachentanz

Wir im Rheinland verstehen etwas von Drachen. Wir haben hier bei Bonn den Drachenfels und die Drachenburg.  Dazu die Heldengeschichte von Siegfried, dem Drachentöter. Der deutsche Lindwurm ist böse und muss besiegt werden.

Das ist eine deutsche Aufgabe.


Aber wir leben heute in der globalisierten Welt und wissen, dass es von altersher auch die Geschichte von dem guten Drachen gibt, nämlich in China. Dort hat nach den Tierkreiszeichen gerade das Jahr des Drachen begonnen.


In der Aula der Bonner Universität feierte das chinesische Kulturinstitut mit geladenen Gästen das Neujahrsfest. Es gab Musik- und Tanzdarbietungen.  Wir waren dabei. Und wir sahen ein schönes Spektakel. Etwa 12 Männer kamen hereingefegt und schlängelten einen riesigen Lindwurm durch den Raum.



Höhepunkt dieser Show war der Drachentanz auf der Bühne, durchgeführt von der Karnevalsgesellschaft “Bönnsche  Chinesen”.


Zuvor hatte es Grußworte gegeben und Hinweise auf die völlig andere Symbolik des chinesischen Drachens: Er zeigt Energie und Kraft und gibt Hoffnung auf ein gutes Leben in Wohlstand und Harmonie. 


In diesem Sinne wünscht auch der Pulverkopp ein gutes neues Jahr.




Mittwoch, 14. Februar 2024

Alles vorbei

 Am Aschermittwoch ist alles vorbei. So klingt der Ohrwurm aus dem Karnevalsschlager. 

Gestern zogen die Beueler Stadtsoldaten noch einmal mit Tschingderassabum vorbei. In einem „Loch“ unter der Rheinbrücke haben sie ihr Standquartier. 

Der Pulverkopp


 
                                     Foto privat: Beueler “Stadtsoldaten” auf dem Weg ins Standquartier



Mittwoch, 7. Februar 2024

Karnevalstüchtig

Die Polit-Prominenz hat wohl gedacht, sie könnte mit großer Fernsehbegleitung etwas gegen den tierischen Ernst der Lage tun.  Aus allen Rohren hat sie das Schießen aufs Volk angefangen. Lange haben wir nicht mehr so viele erbärmliche närrische Rohrkrepierer gesehen.

In  Bonn-Beuel dagegen geht es um Karneval. Bekanntlich sind hier vor genau zweihundert Jahren die Waschfrauen rebellisch geworden und sind losgezogen, ohne die damals ach so tüchtigen Männer zu feiern.

Auch in diesen Tagen wiegeln uns wieder viele beliebte Ohrwürmer auf, wie zum Beispiel der Kölner “Räuber”-Song:  „Wenn et Trömmelche jeit, dann stonn mer all parat (…)  

Das ist aber genau das Gegenteil von militärischem Getrommel mit kriegstüchtiger Gesinnung.
Die Waschfrauen stellen sich auf zum Straßenkarneval und feiern seinen Auftakt. Wer ihnen in die Quere kommt, wird gebützt und verliert seinen Schlips. Dann folgt der Sturm aufs Rathaus.

So sind sie. Und so lieben wir sie. Karnevalstüchtig eben.

Der Pulverkopp






Anmerkung für den Kenner und Brauchtumspfleger: Das Foto mit den drei Masken hat ein Freund aus der alemannischen  Fastnacht (Süddeutschland) mitgebracht.