Frankreich mit Bodentruppen auf der Krim
Angesichts des sich verschärfenden Ukraine-Krieges lohnt es sich, an den Krimkrieg von 1854 – 1856 zu erinnern. Frankreich begab sich unter seinem Kaiser Napoleon III (nicht zu verwechseln mit Napoleon Bonaparte, dessen Armee 1812 in Moskau scheiterte) zusammen mit England und der Türkei auf einen Feldzug gegen das Zarenreich. Die französische Armee eroberte im Jahr 1855 die Hafenstadt Sewastopol auf der Krim. Es kam zum ersten modernen industriellen Stellungskrieg mit Artilleriebeschuss. Frankreich hatte ca. 70.000 Tote zu beklagen.
Der russische Dichter Lew Nikolajewitsch Tolstoi hat seine Kriegserlebnisse in der ErzählungSewastopol verarbeitet. Darin berichtet er über das Vordringen der Franzosen:
„(…) noch immer beobachtet ein Unteroffizier vom Steuer vom Telegraphenhügel aus durch ein Fernrohr die bunten Gestalten der Franzosen, ihre Batterien, ihre Zelte, die Truppenmassen, die sich auf der grünen Höhe bewegen, und die in den Laufgräben aufsteigenden Rauchwölkchen, – und immer noch streben von allen Enden der Welt verschiedene Menschenscharen mit derselben Glut und mit noch verschiedenartigeren Wünschen nach dieser schicksalsreichen Stätte. Und immer noch ist die Frage, die die Diplomaten nicht gelöst haben, nicht gelöst durch Pulver und Blut. (…)
Als die Waffen schweigen:
"Alles war tot, öde, schrecklich, aber nicht still, – noch immer wurde das Werk der Zerstörung fortgesetzt. Auf der durch frische Explosionen aufgerissenen und eingestürzten Erde lagen überall zerbogene Lafetten auf russischen und feindlichen Leichen, – schwere gußeiserne, für immer verstummte Kanonen, die durch eine fürchterliche Gewalt in Gruben geworfen und halb mit Erde überschüttet waren, – Bomben, Kanonenkugeln, wiederum Leichen, Gruben, Bruchstücke von Balken aus den Blindagen, und wieder stumme Leichen in grauen und blauen Mänteln. Das alles zitterte noch häufig nach und wurde durch die Purpurflamme der Explosion beleuchtet, die fortgesetzt die Luft erschütterte. (..)
Und diese Menschen sind Christen, die das eine große Gebot der Liebe und Selbstverleugnung bekennen, und fallen beim Anblick dessen, was sie gethan, nicht voll Reue mit einem Schlage auf die Knie vor Dem, der, als er ihnen das Leben gab, in die Seele eines jeden, zugleich mit der Todesfurcht, die Liebe zum Guten und Schönen gelegt hat, und umarmen sich nicht mit Thränen der Freude und des Glücks als Brüder?“
Als die Kämpfe weitergehen, schreibt Tolstoi:
„Die weißen Flaggen sind entfernt, und von neuem pfeifen die Geschosse, Tod und Verderben bringend, von neuem wird unschuldiges Blut vergossen und Stöhnen und Fluchen laut.“ (…)
(zitiert nach Projekt Gutenberg)
Der Pulverkopp
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