Die FAZ hat heute ein Interview mit dem Theaterregisseur B.K. Tragelehn veröffentlicht. Darin findet sich sein Erlebnis der Bombennacht von Dresden 1945. Das Grauenvolle dieser Nacht - ein monumentales Kriegsverbrechen - scheint kein Ende zu nehmen, weil in unseren Tagen ähnliche Erlebnisse der Menschen in Gaza, im Libanon, im Iran und seltener in Israel zu berichten sind.
„Wenn der Bombenalarm kam, musste man fünf Treppen runter in den Keller, das war ich gewohnt: Wie man aus dem ersten Schlaf gerissen wurde, runter musste, dann rumsaß, döste, mitunter herrschte da durchaus eine muntere Stimmung. Auch an diesem Tag ging das so los, wir saßen unten im Keller, scherzten, aber auf einmal hörte man Flugzeuge – und zwar viele. Dann kamen die ersten Einschläge, die Bomben fielen zuerst in der Stadtmitte und kamen dann immer näher, bis sie zu unserem Häuserviertel kamen. In unserer Straße gab es zwei Volltreffer, um die Ecke, wo der Milchladen war, und eine direkt hinter unserem Haus, da schwankten die Wände, aber uns ist wie durch ein Wunder nichts passiert. Also sind wir raus, haben eine Weile im Sandkasten mitten auf dem Dürerplatz gesessen, ringsherum brannte alles. Wir sind dann die Straße hoch, wollten eigentlich zum Haus einer Tante, sind aber nicht weit gekommen, denn da kam schon der zweite Beschuss. Alle Keller waren überfüllt, aber irgendwo kamen wir knapp unter. Ich erinnere mich noch, wie wir später aus dem Keller rauswollten, aber die Tür schwer aufzukriegen war – nicht weil sie zugeschlossen gewesen wäre, sondern weil von draußen ein ungeheurer Feuersturm so auf die Tür drückte, dass sich mehrere Männer gegen die Tür stemmen mussten. Das Haus meiner Tante war völlig in den Boden gebombt, nichts war mehr übrig. Also sind wir in einer Turnhalle hinter einer brennenden Schule untergekommen, da haben wir bis zum Morgen gesessen und unsere Heimatstadt im Flammenmeer untergehen gesehen.“
In Deutschland ist das kollektive Gedächtnis noch vorhanden. Man weiß noch, wie die Vernichtung einer Zivilisation geht und wie sich das Leben in den Bombardements der Hölle anfühlt.
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