Mittwoch, 15. Oktober 2025

Vom Krieg zerstörtes Dorf


淮村兵后
Ein Pfirsichbäumchen blüht verlassen

Nach dem Krieg in Gaza

Jeder hat die schrecklichen Bilder von Gaza im Kopf: Wir erinnern uns an ähnliche Bilder, die nach der Lektüre von eindrucksvollen Textstellen großer Schriftsteller wie Tolstoi oder Ernst Jünger oder Erich Maria Remarque haften blieben, zum Beispiel:

“Auf der einsamen Höhe am Wege nach Ransart lag eine Ruine,(…) ein Pfirsichbäumchen, das seiner stützenden Mauer beraubt ist und hilfesuchend seine Arme ausstreckt, in den Ställen die noch an der Kette hängenden Skelette der Haustiere, im verwüsteten Garten Gräber, dazwischen grünend, tief im Unkraut versteckt, Zwiebeln, Wermut, Rhabarber und Narzissen, auf den benachbarten Feldern Getreidediemen, auf deren Dächern schon die Körner wuchern; all das durchzogen von einem halbverschütteten Laufgraben, umgeben vom Geruch des Brandes und der Verwesung. Traurige Gedanken beschleichen den Krieger, dessen Fuß auf den Trümmern einer solchen Stätte ruht, wenn er derer gedenkt, die noch vor kurzem hier friedlich lebten.” (Ernst Jünger, In Stahlgewittern, Projekt Gutenberg)

Das folgende  chinesische Gedicht stammt von Dai Fu Gu (1167 - 1248, südliche Song-Dynastie) und beschreibt die trostlose Szene eines durch Krieg zerstörten Dorfes. Es wird noch heute in China gelesen und auswendig gelernt.

淮村兵后 - Vom Krieg zerstörtes Gebiet 

小桃无主自开花,

Ein Pfirsichbäumchen blüht verlassen,

烟草茫茫带晚鸦。

über gelbbraun weitem Land fliegen am Abend Raben.

几处败垣围故井,

Ein paar verkohlte Mauerreste des alten Brunnens

向来一一是人家。

sind da, wo einst mal Menschen wohnten.

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