Samstag, 18. Oktober 2025

Schöner Tag

 


Machen wir uns doch mal einen schönen Tag und fahren mit Bus und Bahn nach Köln und besuchen den Dom! Erst mit dem Bus, dann mit der Stadtbahn und von Siegburg mit dem Regionalexress. Normalerweise dauert die Reise nur eine gute Stunde.

Heute heißt es bahn- typisch mehrmals: „Bitte entschuldigen Sie die Verspätung.“ Kein Problem, das kennen wir und sind darauf eingestellt. Aber als wir in Siegburg im Regionalexpress sitzen und erfahren, dass wegen eines Stellwerkproblems der Zug  überhaupt nicht über Messe-Deutz und Hauptbahnhof fährt, sondern südlich an Köln vorbei in den Vorort Ehrenfeld, sind wir erstaunt. 

Nach einer Weile hält der Zug in Köln Süd, und viele Fahrgäste gehen zu den Türen. Aber es wird angesagt, dass es ein unplanmäßiger Halt sei. Kein Ausstieg möglich.

Weiter geht die Fahrt. Ehrenfeld müsste doch längst schon gekommen sein, denken wir und hören den Zugführer ansagen: „Meine Damen und Herren, Sie werden es bemerkt haben, wir haben leider nicht in Ehrenfeld angehalten. Bitte entschuldigen Sie das Versehen. Der nächste Halt ist Horrem“. 

In Horrem warten wir auf dem Bahnsteig eine halbe Stunde auf den Zug nach Köln, der uns schließlich dort zum Hauptbahnhof bringt. Unsere Fahrt hat mehr als doppelt so lange Zeit benötigt wie normal. 

Und wie klappte am Abend die Rückreise?

Es ging mit dem Regionalzug nach Koblenz, laut Plan auf Gleis 9. 

Wir warten im großen Gedränge, Verspätung, Da wird der Zug angesagt: „Heute auf Gleis 8.“ Die Fahrgäste, die die Ansage verstanden haben, drehen sich sofort um und eilen zum gegenüberliegenden Gleis 8. Der Zug kommt, Einstieg, es ist rappelvoll und wir bekommen zunächst keinen Sitzplatz. Dann warten wir lange auf die Abfahrt. 

Endlich kommt eine Durchsage :“Meine Damen und Herren, ich kann leider keine Telefonverbindung bekommen zur Fahrdienstleitung. Wir müssen noch warten, bis die Ausfahrt freigegeben wird.“ 

Endlich kommt noch einmal eine Durchsage: „Leider muss ich Ihnen mitteilen, dass die Strecke noch nicht freigegeben werden kann. Der Fahrdienstleiter sagt, ein leerer Zug stünde auf der Strecke. Niemand wisse, wo das Personal sei.“

Später an den Haltestellen kommt es immer wieder zu kleinen Verzögerungen, weil die Fahrgäste unvernünftigerweise in den Türschranken stehen bleiben und mehrmals per Durchsage aufgefordert werden müssen, die Türen freizugeben, sonst könne der Zug nicht losfahren

Was für ein schöner Tag mit der Bahn



Mittwoch, 15. Oktober 2025

Vom Krieg zerstörtes Dorf


淮村兵后
Ein Pfirsichbäumchen blüht verlassen

Nach dem Krieg in Gaza

Jeder hat die schrecklichen Bilder von Gaza im Kopf: Wir erinnern uns an ähnliche Bilder, die nach der Lektüre von eindrucksvollen Textstellen großer Schriftsteller wie Tolstoi oder Ernst Jünger oder Erich Maria Remarque haften blieben, zum Beispiel:

“Auf der einsamen Höhe am Wege nach Ransart lag eine Ruine,(…) ein Pfirsichbäumchen, das seiner stützenden Mauer beraubt ist und hilfesuchend seine Arme ausstreckt, in den Ställen die noch an der Kette hängenden Skelette der Haustiere, im verwüsteten Garten Gräber, dazwischen grünend, tief im Unkraut versteckt, Zwiebeln, Wermut, Rhabarber und Narzissen, auf den benachbarten Feldern Getreidediemen, auf deren Dächern schon die Körner wuchern; all das durchzogen von einem halbverschütteten Laufgraben, umgeben vom Geruch des Brandes und der Verwesung. Traurige Gedanken beschleichen den Krieger, dessen Fuß auf den Trümmern einer solchen Stätte ruht, wenn er derer gedenkt, die noch vor kurzem hier friedlich lebten.” (Ernst Jünger, In Stahlgewittern, Projekt Gutenberg)

Das folgende  chinesische Gedicht stammt von Dai Fu Gu (1167 - 1248, südliche Song-Dynastie) und beschreibt die trostlose Szene eines durch Krieg zerstörten Dorfes. Es wird noch heute in China gelesen und auswendig gelernt.

淮村兵后 - Vom Krieg zerstörtes Gebiet 

小桃无主自开花,

Ein Pfirsichbäumchen blüht verlassen,

烟草茫茫带晚鸦。

über gelbbraun weitem Land fliegen am Abend Raben.

几处败垣围故井,

Ein paar verkohlte Mauerreste des alten Brunnens

向来一一是人家。

sind da, wo einst mal Menschen wohnten.

Freitag, 10. Oktober 2025

Rückkehr des Friedens

 

"Die Rückkehr des Friedens", ein allegorisches Barockgemälde aus dem 17. Jahrhundert von Rubens-Schüler Theodoor van Thulden, ist vorübergehend in Trier zu sehen. Ich war gestern dort im Landesmuseum, in der Ausstellung zu dem römischen Kaiser Marc Aurel. Das Bild soll in der Ausstellung verdeutlichen, wie stark Marc Aurels Lehre vom guten Herrschen über die Zeiten wirkte.Diese Lehre gilt bis heute zur Rechtfertigung autokratischer Macht. Der Politiker als Feldherr und Friedensbringer zugleich oder der Gewaltherrscher als Wohltäter des Staates und als Friedensfürst. 

Das Bild zeigt, wie sich die Gerechtigkeit (mit dem Schwert) und der Frieden (mit dem Füllhorn des guten und reichen Lebens) vereinigen, während Engel die Waffen vernichten.

Die Ausstellung dürfte eine wahre Inspiration für alle zukünftigen Friedensnobelpreisträger sein. Selbst Touristen aus den USA sollte sie gefallen, wenn nicht das Gemälde des Holländers, dann aber gewiss die Kaiserstatue von Marc Aurel, zu dessenHerrschaftsgebiet sogar die heute russisch besetzte Krim gehörte.

 

Sonntag, 5. Oktober 2025

Ein Aus für Laubbläser


 
(Foto KI erzeugt)

Aus der Schweiz kam dieser Tage die Nachricht, dass das Volk der Stadt Zürich in einer Abstimmung beschlossen hat, Laubbläser mit Verbrenner-Motor ab sofort zu verbieten.

Vor drei Jahren enthielt mein Herbst-Gedicht bereits eine Vorahnung. Deshalb soll es hier auszugsweise noch einmal erscheinen. Vielleicht kann es den ein oder anderen Leser erfreuen.


Das Herbstlaub fällt von hohen Bäumen

am Stadtrand wo der Spielplatz ruft;

mit Sand und Grün und sanften Hügeln.

Da kommt das Team vom Bauhof an:

Zwei Männer schwingen lange Rohre,

wie Flammenwerfer, doch es sind nur Bläser.

Statt Wanderrucksack knattern laut Motoren.

Die Männer hören nichts, dank Schutz der Ohren.

Nicht saugen, blasen müssen sie. Sie pusten alles weg.

Das bunte Laub, es tanzen fahle Blätter,

die gerne Dünger würden sein.

Aufgewirbelt, weggeblasen ist das Mikroleben

mit Viren, Wurm und heimischen Bakterien.

Staubgewirbel, Abgaswolken, du musst niesen.

/

Vergiss es, denn ein Mann hat Spaß.

Mit seinem Traktor – rasenmähergleich

düst er über die sanften Hügel.

Das ist der Sauger, der das Laub verschluckt.

Übrig bleibt, maschinenrein, der Spielplatzsand

und in der Fläche grünes Gras.